Was bestimmt die Selektion?

Wie bereits erwähnt findet zu jedem Zeitpunkt eine Auswahl der Sinneseindrücke statt. Welche Faktoren sind es nun, die diese Auswahl beeinflussen? Oder anders ausgedrückt: Was bestimmt, verändert oder verzerrt unsere Wahrnehmung?
Wahrnehmungsverzerrungen sind umso wahrscheinlicher, je undeutlicher und mehrdeutiger ein Wahrnehmungsreiz ist.

 

  • Der körperliche Zustand, in dem man sich zum Zeitpunkt der Wahrnehmung befindet. Müdigkeit erhöht ganz allgemein die Wahrnehmungsschwelle. Schmerzen lenken die Aufmerksamkeit eher auf das Körperinnere. Starke Konzentration auf z.B. ein Buch oder eine Tätigkeit führt zur Ausblendung von Umweltreizen.
  • Frühere Erfahrungen mit dem Wahrgenommenen: Wer z.B. einmal von einem Hund bedroht wurde, nimmt Hunde eher als gefährlich wahr.
  • Erwartungen (Bekanntes wird eher gesehen als Fremdes): Ein (weit entferntes) Objekt auf dem Meer wird als Schiff wahrgenommen, weil Schiffe normalerweise auf dem Meer vorkommen. Andererseits fallen aber auch gerade solche Objekte besonders auf, die der Erwartung stark widersprechen, z.B ein blauer Apfel.
  • Einstellungen und Vorurteile (man sieht, was man sehen will): z.B. Wenn ein Mensch, den man für egoistisch hält, altruistisches Verhalten zeigt, nimmt man dieses Verhalten entweder überhaupt nicht wahr oder man unterstellt ihm egoistische Motive.
  • Motive und Interessen: z.B. Bei einer Autofahrt nimmt der Fahrer andere Dinge wahr als der Beifahrer.
  • Aktuelle Bedürfnisse, Gefühle und Stimmungen: z.B. wer Hunger hat, sieht überall Essbares; einem Ängstlichen erscheint die Umwelt bedrohlich, einem Wütenden aggressiv; Verliebte sehen alles durch die "rosarote Brille".
  • Wahrnehmungsabwehr: Angst-auslösende oder tabu-besetzte Reize werden vermieden oder umgedeutet
  • Projektion: Triebbedürfnisse, die man sich selbst nicht eingestehen darf, werden in die Umwelt verlegt (projiziert) und dort wahrgenommen. („Ein Urteil sagt oft mehr über den, der urteilt, als über den, der beurteilt wird.“) z.B.
  • Persönlichkeitsmerkmale (z.B. Ja-sage-Tendenz oder Nein-sage-Tendenz)

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl