Objektive und subjektive Wahrnehmung

Über die Sinnesorgane nimmt der Mensch Kontakt zur Umwelt auf. Die fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Berührung) sind sozusagen die Verbindungskanäle zur Außenwelt, durch die der Mensch erfährt, was um ihn herum vorgeht. Umweltreize (Licht, Töne, Wärme, Druck usw.) treffen auf die Rezeptoren der Sinnesorgane, werden in Nervenimpulse umgewandelt, an das Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet. Soweit (stark vereinfacht) die physiologischen Vorgänge. Da alle Menschen die selben Sinesorgane besitzen, kann man davon ausgehen, dass auch die Reizaufnahme bei allen Menschen gleich ist. D.h. wenn zwei oder mehr Menschen denselben Reizen ausgesetzt sind, nehmen sie auch dasselbe wahr (vorausgesetzt es bestehen keine Störungen, Veränderungen oder Verletzungen der Sinnesorgane, wie z.B. Rot-Grün-Blindheit, Schwerhörigkeit, Nervenschädigungen u.ä.). Soweit ist die Wahrnehmung objektiv.
Entscheidend jedoch dafür, was wir wahrnehmen, wie wir es interpretieren, welche Bedeutung wir dem Wahrgenommenen beimessen und welche Reaktion wir darauf zeigen, ist die Verarbeitung und Bewertung der Reize im Gehirn. Diese Verarbeitung und Bewertung ist abhängig von zahlreichen äußeren und inneren Faktoren und somit subjektiv, d.h. jeder nimmt seine Umwelt in seiner ganz spezifischen, individuellen Art und Weise wahr.
In ganz besonderer Weise gilt das für den Bereich der sozialen Wahrnehmung (Personen, soziale Gegebenheiten, Kommunikation). Hier können Wahrnehmungsverzerrungen, unterschiedliche Interpretationen und persönliche Bewertungen zu erheblichen Missverständnissen führen.
Wie wir uns selbst und unsere Lebensumstände, unsere Mitmenschen und unsere Umwelt wahrnehmen, hat entscheidenden Einfluss auf Selbstbild, Wohlbefinden, Kommunikationsverhalten, zwischenmenschliche Beziehungen, Erfolg und vieles mehr. Andererseits beeinflussen diese Faktoren auch wiederum unsere aktuellen und zukünftigen Wahrnehmungsmuster.

 

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