Funktion und Entstehung

Funktion

Die Welt, in der wir leben, ist sehr komplex. Wir befinden uns tagtäglich in zahlreichen unterschiedlichen Situationen, begegnen einer Menge bekannter und fremder Menschen und müssen uns mit vielfältigen Themen, Informationen und Betätigungen auseinandersetzen. Müssten wir uns jedesmal wieder von Neuem Gedanken darüber machen, wie eine Person oder Situation einzuschätzen ist und wie man sich ihr gegenüber bzw. in ihr verhalten soll, wären wir maßlos überfordert. Einstellungen erleichtern den Umgang mit dieser Komplexität. Sie stellen Verallgemeinerungen dar und bieten bewährte Verhaltensmuster für die jeweilige Situation. Sie sind also notwendig, um die Interpretation der Umwelt und die Orientierung in ihr zu erleichtern. Sie stellen sozusagen die Schubladen dar, in die wir die Ereignisse und Gegebenheiten in unserer Umwelt einordnen können, um zu gegebener Zeit auf ihren Inhalt zurückgreifen zu können.

 

Entstehung

Einstellungen werden im Laufe des Lebens durch Übernahme und eigene Erfahrungen gelernt. Das Kind übernimmt zunächst die Einstellungen der Eltern, ohne sie zu hinterfragen. Mit zunehmendem Alter werden die eigenen Erfahrungen immer bedeutsamer. Neue Erfahrungen können bisherige Einstellungen entweder bestätigen, differenzieren oder auch ganz verändern.

 

Ein Beispiel

Nehmen wir wieder das Beispiel von Monika, die die Einstellung hat, Motorradfahren ist gefährlich. Angenommen, Monika verliebt sich in einen Mann, der leidenschftlicher Motorradfahrer ist. Ihm zuliebe lässt sie sich darauf ein, auf dem Soziussitz mitzufahren, und erlebt dadurch ganz andere Seiten des Motorradfahrens: Spaß, Abenteuer, Körpergefühl. Da ihr Freund ein umsichtiger Fahrer ist, differenziert sich Monikas Einstellung: Motorradfahren kann gefährlich sein, aber wenn man umsichtig und risikobewusst fährt, kann man die Gefahr reduzieren und der Fahrspaß gewinnt die Oberhand.

 

Monikas Einstellung hat sich verändert, weil sie offen war für neue, andersartige Erfahrungen.

Oftmals ist es aber so, dass eine Einstellung neue Erfahrungen verhindert, weil man ihnen gerade aufgrund dieser Einstellung aus dem Weg geht.
Es besteht somit eine Wechselwirkung:
- Erfahrungen bestimmen und verändern die Einstellung.
- Die Einstellung bestimmt aber auch, welche Erfahrungen überhaupt gemacht werden.

 

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Copyright 2011 Dipl.-Psych. Ingeborg Prändl